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Autor Thema: Dunkelbach  (Gelesen 9323 mal)
DKW
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Remember: KING KONG died for your sins


« am: 20. Juli 2014, 07:54:41 »

Die Mauern des Tempels wirken dunkel und ruhig im fernen Lichte eines Blitzes. Der erlösende Regen hatte sich endlich eingestellt und die Hitze dieses ungewöhnlich heißen Sommertages vertrieben.  Als das tiefe aber leise Grollen das Gemäuer erreicht hält vor dem Haupttor eine flache Kutsche, eigentlich mehr ein Pritschenwagen. Der Bauer auf dem Kutschbock scheint mehr zu schlafen als zu lenken und auf der Ladefläche sind zwei Gestalten kaum auszumachen.

Kaum hat der Wagen gehalten, springt der kleinere der beiden Schatten vom Wagen, geht zum Tor und klopft laut und bestimmt an. Während der Schatten wartet, lässt ein weiterer Blitz erkennen, dass es sich um zwei Falken handelt. Der Falke klopft erneut laut an die Türe und kurz darauf wird sie geöffnet. Nach kurzem Gestikulieren und einem Gespräch, das in der Dunkelheit verschluckt wird, kehrt der Falke zum Wagen zurück und man kann beobachten, wie die beiden einen dritten, leblosen, vielleicht toten Körper behutsam vom Wagen herunter nehmen und zur Tür tragen. Der Kutscher nimmt auf ein Zunicken wieder fahrt auf und verschwindet in der Nacht.

Der nächste Blitz erhellt gerade noch, wie Viktor und Hanok Rikas toten Körper durch das Eingangsportal tragen. Dann fällt das Tor hinter ihnen dumpf ins Schloss und der Tempel liegt wieder genau so ruhig und still da wie zuvor.
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« Antworten #1 am: 23. Juli 2014, 21:57:07 »

Der kleine untersetzte Mann in blauen Gewändern und kahlgeschorenem Kopf hielt die schwankende Laterne, die den Weg zum Tempelinneren nur spärlich erleuchtete. Er wirkte matt und der Regen schien ihm zuzusetzen. Mehrfach wischte er mit dem Ärmel über die Stirn und das Gesicht, um die Feuchtigkeit aus seinem Gesicht zu vertreiben.

Schließlich klopfte er an eine schwere Eichentüre eines Gebäudes auf der linken Seite der Tempelanlage, ließ die beiden Falken mit ihrer "Fracht" dem Regen ausgesetzt. Wieder zuckte ein Blitz durch die Finsternis.

Der Novize, der sich als Bruder Alik vorgestellt hatte, klopfte nun lauter und rief gegen das alte, eisenbeschlagene Holz... "Ehwürdiger Vater! ... Ehrwürdiger Vater... bitte kommt schnell!"

Dann drehte er sich zu den beiden Falken und setzte ein freundliches, leicht verlegenes Lächeln auf. "Entschuldigt, der ehwürdige Vater weiß, wo wir sie hinbringen können. Jedoch sein... Gehör, Ihr versteht?"

Ein Lächeln flog im Schein des nächsten Blitz über sein Gesicht. Irgendwie war die Dunkelheit unbehaglich... es war schwer zu sagen, ob es der Leichnam war... oder etwas anderes...
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« Antworten #2 am: 24. Juli 2014, 06:11:01 »

"Aber natürlich! Doch ihr versteht sicher unsere Ungeduld?"

Unruhig trat Hanok von einem Bein auf's andere. Das lag weniger am Gewicht von Rikas leblosem Körper, als viel mehr daran, dass dem Falken so langsam bewusst wurde, dass Rika nicht einfach nur verletzt war. DAS sollte es gewesen sein? Einfach so? Kein Kampf, kein Gegner? Ein scheiß Brief mit etwas gelblichem Pulver?

Während Hanok so da stand, wartete und vom Regen noch weiter durchnässt wurde, fraß sich dieser eine Gedanke weiter und weiter aus seinem Unterbewusstsein hervor: Rika ist tot.

Von Hanok noch unbemerkt nahm auch ein weiterer Gedanke gestalt an. Oder viel mehr ein Verlangen: Vergeltung!
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« Antworten #3 am: 24. Juli 2014, 21:51:59 »

Der Novize schaute noch verlegener zu Hanok. Er klopfte abermals. Diesmal deutlich energischer und diesmal sichtlich erfolgreicher, als sie ein Schlurfen hinter der Türe vernahmen.

Als sich diese knarzend öffnete, stand dort ein älterer Mann, in den Gewändern eines Priesters. Sein Gesicht war von den Jahren gezeichnet, sein Haar schlohweiß und obgleich er gebrechlich wirkte, hatte der Mann etwas eindringliches, etwas Respekt einflößendes.

"Die Schwestern zum Gruße, Falken...", hob er die Stimme an, eine Stimme durchdringend und imposant. Vielleicht war es nur das Gewitter, das diesen Eindruck verstärkte, aber sicher waren sich die beiden Faken nicht. Sein Blick fiel auf den Körper in den Händen der Falken. "Mein Name ist Jaron. Ich sehe, welche schwere Bürde Ihr tragt und welche Euch hierher kommen lässt..."

Er nickte dem Novizen zu und mit einer weiten Armbewegung wies er den Falken den Weg zu einem kleineren Tempelgebäude. "Bringt den Körper dort vorne hin....", und während der Novize vorlief und die Pforte zum dem kleineren Tempelraum öffnete, trugen die Falken ihre Kameradin hinüber. Es ware eine kleine, schlichte Halle, den sieben Schwestern geweiht. Alte steinerne Säulen, die schon manches gesehen hatten, stützten das Dach. In der Mitte befand sich eine große steinerne Platte. Während die Falken den leblosen Körper darauf betteten, entzündete Alik Kerzen. Der warme Schein konnte dem Raum kaum etwas von seiner Kälte und Traurigkeit nehmen, aber es passte zu dem Anlass, zu dem sie hier waren. Schließlich betrat - fast lautlos - Jaron die Halle und betrachtete das, was einstmals Rika gewesen war.

Er atmete tief ein, dann wandte er sich zu den Falken. "Wer ist sie, woher stammt sie und was ist ihr widerfahren?"

Die Fragen waren kurz und einfach... wer wusste, ob es auch die Antworten sein würden...
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« Antworten #4 am: 24. Juli 2014, 22:39:54 »

In der ganzen Zeit, die verstrichen ist, bis Viktor und Hanok Rikas Körper nun auf die Steinplatte legen konnten, waren beide Falken sehr still gewesen. Hanok zeigt nun einen irgendwie verbissenen Gesichtsausdruck und sogar Viktor legt jene Ernsthaftigkeit und Ruhe an den Tag, die nur wenige bislang an ihm gesehen hatten.

Jarons Frage scheint Hanok aus irgendeinem Gedankengang zu reißen, denn er schaut fast erschrocken auf. Seinen kurzen Blick erwidert Viktor mit einem leichten Nicken, dass klar macht, dass es an Hanok ist die Fragen zu beantworten.

"Das ist Rika, Ehrwürdiger Vater. Sie ist Feldscherin in Silbertor und wurde Heute nacht vergiftet." Als der Priester nicht direkt zu einer Antwort ansetzt, empfindet auch Hanok seine Worte als ... leer. Erst mockierte er sich über die ... Würdelosigkeit eines einfachen, vergifteten Briefes und dann soll dies auch noch alles sein, was er dazu zu sagen hat? So setzt der Falke erneut zu sprechen an:

"Ja, sie wurde vergiftet. Getötet durch einen vergifteten Brief. Ich weiß nicht warum, aber sie scheint in etwas hineingeschlittert zu sein, dass sie selber nicht überblicken konnte. Rika ist sehr stur, vielleicht hat das sie getötet. Ganz sicher aber, hat sie das zu einer herausragenden Feldscherin gemacht. Sie war zu stur um einfach zuzulassen, dass Leute starben. Woher sie ursprünglich stammt, vermag ich euch gar nicht zu sagen. Ich habe sie kennen gelernt, als sie zu den Falken kam. Dort hat sie sich eingerichtet und ein Zuhause gefunden. In ihrer Zeit bei uns ist sie getauft worden. Und wenn ihr mich fragt, dann stammt sie aus Silbertor, denn ... denn ..." Hanoks Redefluss stockt kurz und er schaut zu Boden. Dann schaut er wieder auf:

"... ja ... denn da ist sie zu Hause! Die Ehrwürdige Mutter, die zufällig im Goldkrug zugegen war, hat noch versucht ihr zu helfen oder zumindest, zum Ende hin, ihr den Übergang zu erleichtern. Aber sie meinte, Rika stünde am Ufer und müsse nun selbst entscheiden und wir sollten ihr Zeit geben. Deswegen sind wir hier. Der Goldkrug ist kein Ort für so etwas. Und wir beiden, haben auch keinerlei Erfahrung mit solchen Dingen. Deswegen, Ehrwürdiger Vater, bitten wir euch um Eure Hilfe. Helft Rika, wenn ihr es vermögt, auf die eine oder andere Weise."
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« Antworten #5 am: 24. Juli 2014, 23:39:06 »

Jarons Gesichtszüge verrieten nichts von seinem Innersten bei den Worten des Falken. Er sass nur stumm da neben Rikas Leichnam und betrachtete abwechselnd die Falken und dann wieder den vor ihm aufgebahrten Leichnam. Sein Blick war ernst und bedächtig. Nicht einmal als Hanok über das Gift sprach, änderte sich sein Antlitz.

Als Hanok über Rikas zuhause sprach, ihre Heimat... das woher sie stammte, nickte er einmal kurz, unklar war, ob er die Worte des Falken bestätigen wollte oder etwas anderes zum Ausdruck bringen.

Nachdem der Falke geendet hatte, erhob Jaron sich und schritt um Rika herum. Vorsichtig näherte sich seine Hand dem Mund des leblosen Körpers, verharrte jedoch wenige Zentimeter darüber. Dann ergriff er Rikas rechte Hand mit der seinen. Die ganze Zeit über schien er nachzudenken oder zu innerlich zu beten...

Dann sprach er wieder die Falken an. "Ich sehe, da ist kein Leben mehr in diesem Körper...", die Worte klangen dröhnend und bitter von den Wänden der Halle nieder und der immer weiter zunehmende Regen prasselte dumpf auf das Dach. Es war etwas Endgültiges darin. Etwas schrecklich endgültiges. Alik bereitete einige Gegenstände vor, den Servion und den Liquor des Priesters. Während er dies tat, betete er leise, fast flüsternd zu Aguatha.

"Ihr sagtet, sie sei vergiftet worden, doch kennt Ihr nicht ihren Mörder?", er zögerte, es war nicht klar, ob der letzte Satz wirklich als Frage oder als Feststellung gemeint war und ob er von Belang für ihn war. Dann fuhr er leiser fort. "Ihr sagtet, die ehrwürdige Mutter habe Euch gesagt, sie habe gesehen, wie die Seele, die einst in diesem Gefäß innewohnte, an den Gestaden umherwandele, nicht bereit hinzugehen in die ewigen Fluten.... Ich weiß, dass dies eine schwere Stunde für Euch sein muss. Und doch ich muss noch etwas wissen... Ich hörte ein Zögern in Euren Worten. Ihr kanntet Rika gut... und doch frage ich Euch... war sie mehr für Euch als eine Kameradin, eine gute Feldscherin, eine gute Falkin? Sprecht, ich werde danach entscheiden, ob und wie ich Eurer Hilfe bedarf oder nicht, bei dem was unausweichlich folgt..."

Er blickte die Falken mit väterlicher Strenge an und doch war auch etwas Wohlwollendes, Ruhiges in seinem ganzen Habitus, etwas das man nur schwer beschreiben konnte... Draußen donnerte es... für einen kurzen Augenblick war es Hanok, als sei dort draußen noch etwas... er konnte auch nicht sagen, woher dieses Gefühl kam, hier drinnen im Tempel... Und doch war ihm, als lauerte dort etwas...
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« Antworten #6 am: 26. Juli 2014, 14:16:58 »

Auch wenn es in der Dunkelheit nur schwer zu erkennen ist, scheint das letzte bisschen Farbe aus Hanoks Gesicht zu entweichen, als Jaron erneut unterstreicht, dass dies vor ihnen nur noch ein Körper ist, aber nicht mehr Rika. Seine Augen werden erst ein wenig glasig, so als sei auch noch die letzte Hoffnung verflogen... dann verhärten sich die Gesichtszüge des Falken und seine Augen versprühen Wut und Hass. Dann beginnt er leise zu sprechen.

"Seinen Namen ... wir kennen seinen Namen ... wir werden ihn finden ... oh ja ... und dann werden wir sehen ..." Hanoks Worte werden zum Ende leiser und verlieren sich in der Dunkelheit. Ein Schweigen durchzieht nun die heiligen Hallen, ein eisiges Schweigen. Zu hören ist nur das Atmen der Anwesenden und der Sturm, der den Tempel umtost und durch diverse Ritzen bläst. Düster, schwer, tot. Hanok bemerkt, wie ihm eine Gänsehaut den Rücken herunter läuft. War hier ... noch etwas? Dieser überraschte Gedanke durchbrach den Bann und Hanok sah dem Priester etwas verdattert ins Gesicht:

"Mehr als eine Kameradin? Was meint ihr, mehr als eine Falkin? Ist das nicht genug? Ist das nicht schon alles, was man sich erhoffen kann!? Wir sind nicht einfach nur ein paar dumme Soldaten, wie die Eckländer!" Der Falke wird mit jedem Wort ein wenig lauter, zum Ende hin klingt er fast erbost, das letzte Wort spuckt er geradezu aus. "Wir sind nicht nur Kameraden, wir sind eine Familie! Und wenn Ihr das..." Hanok stockt, scheint wieder zu realisieren, mit wem er eigentlich spricht. "Verzeiht!" Die Stimme des Falken ist wieder ruhig.

"Seht ihr. Die Wahrheit ist, das mein Verhältnis zu Rika eher ... schwierig war. Die meiste Zeit ging sie mir recht gut auf den Keks. Ihre Art Dinge anzugehen oder sich eine Meinung zu bilden und dann Probleme zu haben, diese auch zu äußern. Gleichzeitig aber ihre Verbohrtheit, wenn es um ihre Überzeugungen ging. Nun ja, befreundet kann man uns nicht gerade nennen." Ein trauriges Lächeln umspielt Hanoks Mund bei diesen Worten.

"Aber deswegen sehe ich uns auch als Familie. Wir haben es uns nicht ausgesucht, gemeinsam durchs Leben zu gehen. Doch nun, da der Ewige unsere Wege zusammengeführt hat, beschreiten wir unseren Pfad gemeinsam. Ungeachtet dessen, was uns entgegensteht. Und ich wusste immer, völlig egal, was ich von ihr oder sie von mir dachte, dass der eine dem anderen beistehen wird, wenn es nötig ist. Das gilt vielleicht nicht für alle von uns Falken, aber für die meisten. Und davon abgesehen hat es niemand, absolut niemand verdient, auf eine solche hinterhältige und feige Art und Weise aus dem Leben gedrängt zu werden! Deswegen sind wir hier, um Rika beizustehen. Und wenn ihr sagt, sie sei tot, wenn ihr sagt, wir müssten alle Hoffnung fahren lassen ihr Stottern je wieder zu hören, so können wir zumindest noch eines tun und ihr auf ihrem letzten Weg beistehen. Das hat sie sich mehr als verdient!"
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« Antworten #7 am: 26. Juli 2014, 20:54:27 »

Der Regen ließ nach und das Gewitter schien weiter zu ziehen. Bald hörte man das Donnergrollen nur mehr in weiter Ferne. Bedächtig sag Vater Jaron den Falken an. "Es gibt nichts zu verzeihen... Das ist der Schmerz! Er gehört dazu. Ich höre und fühle ihn in deinen Worten und deinen Augen. Ich höre auch deinen Zorn! Ich höre deine Trauer! Und ich höre deinen Hass...! Ich kann daran im Augenblick nichts schlechtes finden und dennoch... entscheide für dich, ob er dir ein guter Ratgeber sein wird. Der Hass kann ungeahnte Kräfte in uns hervorbringen, aber er ist ein gefährlicher Verbündeter!", eindringlicher sah er nun den Falken an, wohlwollend und etwas mitfühlendes war in seinen Augen, etwas irgendwie tröstliches.

"Und Schließlich höre ich auch deine Angst! Die Angst vor dem Endgültigen... Ich kann und will dir deine Angst nicht nehmen. Sie wird dich noch eine Weile begleiten, aber sie wird enden, wie das Gewitter soeben, und wird vielleicht zu etwas anderem... vielleicht zu Trost, vielleicht zu Erinnerungen, vielleicht zu einem Stück von dir. Du entscheidest darüber..."

Die Worte verhallten in der Dunkelheit, nur durch das leichte Plätschern des zu Niesel gewandelten Regens untermalt. "Ich sehe, dass sie mehr für dich war. Und dennoch ich wollte damit nicht zum Ausdruck bringen, dass das eine mehr wiegt als das andere... Du sagst, sie habe dies nicht verdient. Ich sage, du hast recht. Doch wir vermögen nicht zu ändern, was ist. Sie wartet an den Gestaden. Ich werde sie nun geleiten, dass sie den Weg findet... den Weg in die Fluten und geschehen kann, was geschehen muss seit Anbeginn der Zeit...", der Blick des ehrwürdigen Vaters fiel auf den Servion. "Nimm ihre Hand und bete und verabschiede dich in Gedanken. Vielleicht wird sie hören, was du ihr sagen möchtest... wie ein Rauschen im ewigen Wind."

Der Priester erhob sich nun und wartete, ob Hanok Rikas Hand nehmen würde. Seine Stimme erschallte nun laut und dröhnend in der Halle. "Es ist Zeit unsere Gebete an Aguatha zu richten! Beten wir...!"
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« Antworten #8 am: 27. Juli 2014, 03:47:29 »

Wortlos geht Hanok zu Rikas Körper hinüber und kniet, ihre andere Hand ergreifend, nieder. Der Falke schließt die Augen und leise beginnt er zu beten, dabei werden seine Worte immer leiser.

"Aguatha, Hüterin der Ewigen Fluten selbst, möge dein Wasser uns Leben spenden. Schütze uns ..."

Der Rest ist Schweigen.
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« Antworten #9 am: 27. Juli 2014, 08:43:09 »

Das Gebet des Priesters hallte durch den Raum, während Hanok immer leiser wurde, bis sich sein Gebet nur noch in Gedanken unter die Verse des Priesters mischten. Der Falke schloss die Augen um sich ganz auf das Gebet zu konzentrieren, so sahe er nicht, wie der Priester langsam den Servion anhob, bereit gleich das Seelenband zu durchtrennen.

Plötzlich, unvermittelt wie ein Rausch, erzitterte es in Hanoks Körper. Es war ein Gefühl wie ein Fall, so als wäre der Boden unter ihm verschwunden. Dieses Gefühl im Bauch, wenn man in ein Loch hinunterstürzt, doch es hörte nicht auf, es wurde immer länger. Er wollte die Augen aufreißen, doch es blieb dunkel. Nun war da nur noch der Wind, der um das Gebäude säuselte... leise, fast wie ein Murmeln....

Es dauerte einen unendlich langen Augenblick, Hanok konnte nicht sagen wie lange, als er endlich durch ein klirrendes Geräusch erlöst wurde. Das Gefühl des Stürzens hörte schlagartig auf. Er riss die Augen auf...

Der Servion war klirrend zu Boden gestürzt... daneben stand in der Ecke der Novize Alik, den Blick voller Entsetzen auf den Priester...

Jaron selbst war einige Schritte zurückgewichen in den Raum... Er war kreidebleich, ebenso Entsetzen in den Augen... den Mund aufgerissen, stand er da... der Servion musste ihm aus der Hand geglitten sein... Irgendetwas hatte den Priester erschüttert, irgendetwas hatte diesen alten Mann, der viel gesehen und erlebt hatte, einen solchen Schrecken eingejagt haben...

Da war nur noch der Wind, der um das Gebäude säuselte... leise, fast wie ein Murmeln....
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« Antworten #10 am: 27. Juli 2014, 11:05:06 »

Irritiert blickt Hanok auf, das hier scheint irgendwie nicht richtig zu sein. Als Ungetaufter verstand er des öfteren verschiedene Dinge nicht, welche die "ach-so-Gläubigen" sagten und machten, aber hier war doch irgendwas passiert. Der Falke sieht die entsetzten Blicke der beiden Geistlichen.

"Geht es euch gut?"

Dann sieht Hanok sich im Raum um.
« Letzte Änderung: 27. Juli 2014, 11:10:28 von DKW » Gespeichert

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« Antworten #11 am: 27. Juli 2014, 23:12:02 »

Der Raum wirkt irgendwie dunkler als vorher, doch die Kerzen brennen noch immer. Vater Jaron ist von Rikas Leichnam, der immer noch ungerührt an Ort und Stelle liegt, zurückgewichen und stützt sich jetzt auf eine halbhohe Säule, auf der eine Wasserschale steht.

Der Novize ist zu dem alten, ehrwürdigen Mann geeilt und stützt diesen voller Sorge um dessen Gesundheitszustand. "Was ist geschehen, ehrwürdiger Vater? Was ist geschehen?"

Der alte Priester antwortet Alik zunächst nicht. Auf dem Boden liegt der Servion, der Dolch des Priesters. Der Wind säuselt leise, alles wirkt irgendwie friedlich und doch ist das dieses Gefühl, dass dieser Eindruck trügerisch ist...

Plötzlich wendet sich der alte Priester zu Hanok. Seine Stimme ist ernst und seine Worte mahnend wie auch überraschend "Ihr... ihr müsst sie fortbringen! Ich müsst gehen...", er rang kurz nach Atem, "Sofort! Jetzt! Bringt sie nach Silbertor... Ich kann keinen Aufschub dulden und ich kann Euch keine Unterkunft gewähren. Ihr müsst sie fortbringen von hier..."

Die Augen des Priesters spiegeln neben seiner Bestimmheit noch etwas wider... Angst...
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« Antworten #12 am: 28. Juli 2014, 08:13:53 »

Hanok blickt irritiert zu Viktor. Dann erhebt er sich und geht hinüber zu Jaron.

"Ehrwürdiger Vater! Was ist? Was habt ihr? Warum verweigert Ihr Rika die letzte Ehre?"
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« Antworten #13 am: 28. Juli 2014, 23:49:10 »

Der Priester fing sich wieder, blickte zu Boden, faßte Mut und erhob sich. Er blickte Hanok direkt an. Die Angst war aus seinem Gesicht gewichen. Strenge und Härte spiegelten sich nun in seinen Zügen wider, als jüngerer Priester musste er sehr einschüchternd gewesen sein, aber diese Zeit war bereits gegangen. Gleichwohl sprach er nun entschlossen.

"Geht nun! Geht! Verzeiht, doch ich kann nicht dulden, dass dieser Leib hier in diesen Hallen bleibt!", er blickte zu Alik. "Löscht die Kerzen, löscht alles Licht, helft ihnen, diesen Körper hinauszutragen und gebt ihnen noch etwas Proviant, Alik. Jedoch eilt Euch und verliert keine Zeit! Habt Ihr verstanden?"

Der Novize nickte wortlos und begann die Kerzen zu löschen.

"Möge der ewig Nachtblaue Euch auf Eurem Weg behüten...", ein sorgenvoller Blick geht zu Rikas Leichnam, dann wieder zu Hanok. Im Funkeln seiner Augen sah Hanok, dass der Priester etwas gesehen oder gespürt haben musste, etwas, dass diesen alten, erfahrenen und weisen Mann derart erschüttert hatte, dass er sie nun des Tempels verwies... Der Priester schickte sich an zu gehen und kehrte Hanok den Rücken zu...
« Letzte Änderung: 29. Juli 2014, 07:48:28 von Morbus » Gespeichert

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« Antworten #14 am: 29. Juli 2014, 11:19:37 »

Hanok greift blitzschnell nach vorne und hält Jaron an der Schulter fest.

"WAS!? DAS soll es gewesen sein?" Der Falke, sichtlich erbost, reißt den Ehrwürdigen Vater herum und stößt ihn ein Stück zurück.

"Du willst mich wohl VERARSCHEN! Wir haben die Mühe auf uns genommen Rika hier her zu bringen, damit ihr wenigstens eine letzte Ehre zuteil werden kann ... und dann SOWAS? Ich kenne kaum einen gläubigeren und gottgefälligeren Menschen als diesen hier und dann wollt Ihr Rika diesen letzten Dienst verweigern? Ihr habt genau drei Sekunden euch zu erklären! Und glaubt mir, Ihr wäret nicht der erste Ehrwürdige Vater, der eine Tracht Prügel von mir kassiert, allerdings bezweifel ich, dass Ihr euch so gut zu wehren vermögt, wie der letzte..." Bei seinen letzten Worten macht Hanok einen bedrohlichen Schritt auf Jaron zu.
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