Maria
Queen of Deadlines
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Titan
    
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« Antworten #839 am: 19. Juli 2014, 11:35:27 » |
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Dinge, die ich statt Klausurlernen tun muss: Nach einem Brand aufräumen...
Gestern nacht, 4 Uhr, Rückkehr vom Sommerfest: Maria öffnet die Tür und geht die Treppe hoch, ärgert sich etwas, dass ihr Zimmer hell erleuchtet ist, also jemand das Licht angelassen hat. Gerade im Badezimmer angekommen, kommt vom Innenhof unterhalb des elterlichen Zimmers in Türkisch-Deutsch der Ruf: "Hans-Otto, Haus brennt! Haus brennt! Bei Oma" Mein Vater ist sofort wach, öffnet das Fenster und (ich sehe das nicht, weil ich in diesem Moment meine Hose hochziehe) und sieht, dass der Hof voller Qualm ist und Ali von nebenan wild Richtung brennende Dachecke gestikuliert. Meine Mutter wankt aus dem Schlafzimmer, ich nur noch "Ruf die Feuerwehr, schnell", während ich nach unten renne, mir die Schlüssel schnappe, Hans-Otto hinter mir, um den Feuerlöscher aus dem Keller zu holen. Meine Mutter ist irgendwie wenig fähig, unter Druck zu arbeiten, ihr fällt die Nummer erst nicht ein, sie fragt, ich brülle im Laufen "112!" und statt das (nähere) Telefon oben zu verwenden, sucht sie nach dem kabellosen unten. Das gesamte Dach Richtung Innenhof ist in Rauch gehüllt, ich sperre die Tür auf, spurte die Treppe hoch, es wird rauchiger, reiße die Badezimmertür auf, im Fensterwinkel sind Flammen, also Tür wieder zuknallen. Wecke Azra und ihre Tocher, die oben direkt daneben in der Mietwohnung noch schlafen, renne runter, mein Vater kommt mir entgegen mit Feuerlöscher, er ins Badezimmer, ich zu Oma. Gut, unten noch gar kein Rauch zu riechen, Oma pennt, keine akute Gefahr. Bei Oma finde ich keinen weiteren Feuerlöscher, merde. Zurück zu uns, da das Feuer genau in der Ecke beider Häuser brennt, sind mehrere Räume direkt von Flammen gefährdet: Omas altes Badezimmer oben, Alis und Hatices Schlafzimmer, Annas altes Zimmer, drei Speicherräume. Nehme Eimer mit Wasser mit, Treppe hoch. Annas Schlafzimmer ist rauchfrei, keine Flammen (außer der Schein durchs Fenster), check. Speichertreppe hoch: Alles voller Rauch, kommt aus meinem Kleiderfundus. Okay, jetzt tue ich wahrscheinlich etwas sehr Dummes, aber ich krieche rein, um zu sehen, ob das Feuer in der Ecke dort schon durchschlagen ist. Nein, ist es nicht, nur Rauch, der unter der Dachpappe her qualmt. Puuh! Von draußen sind die letzten Stöße des Feuerlöschers zu hören und das hastige Gespräch zwischen Ali und Hans-Otto. Meine Mutter nutzt meinen vollen Eimer, um auf meine Anweisung hin von meinem Zimmer aus die Balken und Wand direkt über Annas Fenster nass zu machen. Die Flammen sind nach Hans-Ottos Löschen von Omas Badezimmerfenster aus nicht mehr zu sehen. Dann kommt die Feuerwehr an, rennt in Omas Haus und durch Hatices Stall durch. Meine Mutter: "Maria, die werden gleich viel Wasser auf den Speicher spritzen, bringe besser deine Kostüme weg". Das war dann eigentlich die zweite Dummheit, ich öffne zwar das Dachfenster, krieche aber dann in den Rauch und schiebe auf dem Boden Zeug raus aus meinem Kabüvchen. Die Nachbars-Kinder helfen, indem sie alles, was ich rausschiebe, nach unten bringen. Die Ecke und der Weg dorthin ist endlich freigeräumt (verfluchte Packrattenfamilie!) und mein Hals kratzt jetzt doch zu stark, also gehe ich wieder runter, Luft schnappen. Und kaum bin ich unten, kommen mir Feuerwehrleute entgegen, Richtung Speicher... Puuh, gerade noch geschafft. Großaufgebot, 4 Leiterwagen verschiedener Wehren (soweit ich sehe, Monschau, Höfen, Rohren und ?) 1 Krankenwagen, 1 Polizeiauto, 1 Einsatzfahrzeug - woah, okay? Von außen wird die Drehleiter übers Dach geschwenkt, jede Menge Schläuche werden ausgerollt und es sind bestimmt 30 Feuerwehrleute, die durch Stall, Omas Treppenhaus und unsere Wohnung wuseln. Mein Vater hat ihnen eine Leiter ausgeklappt für im Innenhof, die von zwei jungen Männern genutzt wird, um die Dachecke und die Wand kurz zu löschen, nur etwa 5min, mit einem kleineren Schlauch. Ich werde etwas nervös, als die C-Rohre in Stellung gebracht werden (Loch in Dach = Flut auf Speicher...), aber ihr Einsatz wird in den nächsten zwei Stunden zum Glück nicht nötig! Die gesamte von der Polizei abgesperrte Grünentalstrasse wird von mehreren Lichtmasten und einem Riesenscheinwerfer auf der Drehleiter taghell erleuchtet, keine Ahnung, wie unsere Nachbarn dabei und bei dem vielen Blaulicht noch schlafen können. Meine Mutter vollbringt Übersprungshandlungen wie Spülmaschine ausräumen und Baiser backen, mein Vater rennt in wuseligem Haar mit weißem Feuerlösch-Schnee und ohne Schuhe (hehe) rum, die Jengiz benutzen ihre Gartenmöbel als Zuschauersitze im Hof, Azra versteckt sich, weil sie nur im Nachthemd unterwegs ist, ihre Tochter bleibt in der Wohnung oben neben dem Badezimmer (wtf?) und meine Oma weigert sich, aufzustehen, sie pennt wieder ein und schnarcht, nachdem ich sie gefragt habe, ob ich sie rausbringen soll. Der Einsatz endet um 6:00, als Brandursache stellt sich ein abgeklemmtes (Stark)Stromkabel (wahrscheinlich mal für eine Waschmaschine), das außen unterm Dach zum Badezimmer verlief und durchgeschmort ist, heraus. Durch die Hitze hatte sich danach der wegen des Wetters knochentrockene Holzbalken, woran es hing, entzündet. Verbrannt ist ein kleiner Teil des Daches und der Badezimmerwand, alle Holzbalken drumherum halt, der Rest ist angekokelt. In den Zimmern selbst ist nichts zu sehen, das Badezimmer ist ja eh leer, weil es renoviert werden soll. Insgesamt: Schwein gehabt, dass Ali mitten in der Nacht aufgestanden war und das Feuer bemerkt hatte. Ich wäre zwar nur ein paar Minuten später gewesen, wenn ich aus dem Bad in mein Zimmer gegangen wäre und gemerkt hätte, dass das Licht eigentlich Feuer ist, aber dass überhaupt zwei Leute genau um die Zeit wach sind... Sonst hätten wir es erst durch den Rauchmelder gemerkt und dann wäre das Dach wahrscheinlich schon nicht mehr zu retten gewesen... Ende vom Lied: Mein Zimmer beherbergt jetzt einen Berg von Kostümen, das Haus riecht immer noch nach Rauch (bäh!), der Elektriker war hier, der Dachdecker hat das Loch notdürftig abgedeckt - und jetzt müssen sich drei Feuerversicherungen streiten, wer was vom Schaden bezahlt, also unsere, die von Oma und die von den Nachbarn.
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