Mittwoch, 4.4. Kappabashi, Asakusa und Tokyo Edo Museum Nach dem Frühstück (ich esse Chiharus Müsli plus Kumis Salat und Toast) leiht mir Kumi ihr gelbes Fahrrad, ich fotografiere, um auf Nummer Sicher zu gehen, den Schlosscode und radele Richtung Asakusa. Nach Osaka heißt es: Biking like a pro! Naja, bis ich in Kappabashi bemerke, dass ich aus Versehen Kumis Garagenschlüssel mitgenommen habe... Kappabashi ist eine Einkaufsstraße, die an beiden beiden Seiten von Läden für Küchenbedarf gesäumt wird: täuschend echte Wachsmodelle von Gerichten, Drahtsiebe, Töpfe in allen Größen, Keramik, Kellneruniformen und Läden, die auf zwei Etagen nichts als Dinge für Backen und Süßigkeitenherstellung verkaufen – ich glaube, Elli hätte hier ihren Spaß. Ich kaufe Omiyage, leider gibt es keine Standing-Nigiri-Box mehr in dem Laden, der Hakoya-Boxen verkauft. Am meisten Zeit verbringe ich in den Keramikläden, weil ich (erfolglos) versuche, meinen Seiji Kannyu-Teller (crackled celadon glaze) durch eine Schüssel zu ergänzen. Bei Keramik Dengama kaufe ich stattdessen eine Blumenvase und einen Sake-Cup auf der zweiten Etage (aka. hier sind die teuren, nicht touristischen Künstlerobjekte) – beide sind aber im Ausverkauf, hähä, den Rest kann ich mir nicht leisten... Danach laufe ich die Kappabashi hoch und runter, als mein erster Versuch, tax free einzukaufen – bis ich bemerke, dass sich das für mich überhaupt nicht lohnt, ich kriege ja nur magere 8% zurück bezahlt. Mehr Rumgelaufe, weil ich zwar ein Foto gemacht habe, wo ich das Fahrrad gelassen habe, aber nicht auf der Karte gemerkt habe.... Ich trete auch schüchtern in einen Messer-Laden ein, mit dem Gedanken, evtl. für Tobis Vater ein Messer zu kaufen. Aber die Fragen, die sie hier vor dem Kauf stellen, kann ich alle nicht beantworten, daher flüchte ich, bevor mich ein Verkäufer bemerkt hat. Sorry, ich glaube, das mit dem Santoku-Geschenk wird nichts... Asakusa ist ganz nahe, dort komme ich am Ausgang des altehrwürdigen Hanayashiki-Vergnügungsparks aus und setze mir diesmal sofort die Marke für den Fahrradabstellplatz. Das Hanayashiki hat einen heruntergekommen, aber auch nostalgischen Retro-Charme, genau wie die Shoutengai direkt daneben, beides existiert wohl schon seit der Taisho-Zeit. An Leerstand vorbei, beschallt vom Kreischen der Achterbahn, suche ich nach dem Tempelgebäude, an das ich mich von 2005 erinnern kann. Das gibt es auch, aber hier ist im Gegensatz zu damals so viel Gedrängel, dass ich keine wirkliche Lust habe, die Nakamise Dori-Ladengasse zwischen den beiden Toren zu durchlaufen, um, wie ich eigentlich vorhatte, Senbei zu kaufen. Ich umrunde den Sensouji einmal und suche mir dann über die verlassenen Hintergassen den Weg zum kostenlosen Edo Shitamachi Traditional Crafts Museum. Das ist ein kleines Gebäude in der Shoutengai von eben, auch etwas 70er-Jahre-Stil, unten am Empfang sitzt niemand, aber das Kunsthandwerk verschiedener Künstler in dem einen Raum ist den Besuch wert. Im Spirit des „Japan von Annodazumal“ bleibend, schlage ich einen Bogen zurück, um bei einer Filiale von Kagetsudou, einem Laden, der seit 1945 Melonpan (Brötchen mit Zuckerkruste) und Kakigoori (Raspeleis) verkauft. Mein Kakigoori ist ein Eisberg mit süßer Dosenmilch und Shiratama (Klebreisbällchen) – schon bei der Hälfte habe ich Gehirnfrost. Nach diesem ungewöhnlichen Mittagessen überlege ich, wohin ich als nächstes will. Da das Tokyo Edo Museum auch nahe genug für eine Fahrradfahrt ist, fahre ich am Ufer des Sumida runter (mit Stop für Fotos des Skytree und des „Golden Poop“ aka. der Asahi-Flamme). Hier sitzen immer noch Familien mit Kindern unter den inzwischen schon stark verblühten Kirschbäumen. Auf der anderen Flusseite setze ich mich kurz in einem Park nahe dem Museum, um das Jumbo Melonpan zu essen und werde dabei von alten Männern auf Bänken gemustert. Ich parke das Fahrrad an einer Laterne, nicht in den Verbotszonen rund um das Museum und gehe rein. Peinlicherweise muss mir ein Sicherheitsmann zeigen, wie man das Münzschließfach verwendet (ich werde aus den Bildern und Pfeilen nicht schlau, kann ich bitte Kanji haben?). Leider gibt es auf der 6. Etage, wo die Ausstellung beginnt, keine englischen Volunteer Guides mehr, also folge ich einer japanischen Tour, alles alte Männer. Auch wenn das, was der Guide erzählt, interessant ist, sind sie mir zu langsam, so würde ich Tage für das gesamte Museum brauchen, daher löse ich mich und erkunde selber, es gibt auch genug englische Schilder (bin zu faul für Japanisch). Ich mag vor allem die interaktiven Ausprobier-Stücke, wie z.B. eine Sänfte, ein Tragejoch, eine Feuerwachen-Lederflagge etc. und die Nachbauten von Häusern aus der jeweiligen Zeit, das Museum ist nämlich chronologisch organisiert. Leider bleibt viel zuwenig Zeit für den Teil der Ausstellung nach dem 2. Weltkrieg, dort renne ich nur durch und das Museum schließt pünktlich um 17:30 – Mist, hätte weniger Zeit in Asakusa verbringen sollen... Nahe Ueno Station komme ich zufälligerweise durch ein weiteres Ziel meiner Bucketliste: Ameyoko Shoutengai – hier mit dem Fahrrad durchzukommen ist aber schwierig, viele Leute, von der wilden Mischung von Gamecentern, Tsukemono-, Nori- und Secondhandläden angezogen. Ich bin hier, weil ich bei Yodobashi das Gehäuse für meine Festplatte und das Ladekabel holen will. Letzteres brauche ich nicht, weil ich merke, dass mein Handyladekabel doch passt und ersteres gibt es nicht, nur einen Kabeladapter für 2.5 und 3.5-Inch-Festplatten, den ich mir nach einiger Überlegung hole. Kumi fragt, wo ich bin, wir haben uns für 18:30 zum Essen verabredet, für Okonomiyaki, diesmal Kantou-Style (also so, wie ich das zuhause machen würde). Ich radele zum Kaminarimon und wir haben Glück, in dem Restaurant, das Kumi empfiehlt, ist gerade ein Tisch frei geworden. Ich wähle eine Mentaiko-Version, Kumi macht ihr Okonomiyaki selber auf der heißen Platte vor sich. Ich bestelle auch Nukazuke (eingelegtes Gemüse) – ohne zu wissen, dass Kumi nachher wieder bezahlen wird – wah? Zurück gehen wir zu Fuß, weil Kumi ja direkt von der Arbeit gekommen ist und kein Rad hat, mit Zwischenstop in einem Supermarkt, auf der Jagd nach dem mysteriösen Kawaraketsumei-cha – gibt es nicht, daher kaufe ich nur Wasser. Asa ist noch wach, ich glaube, er arbeitet nachts. Ich gehe wieder unter die Dusche, probiere danach aus, ob auch die Festplatte kaputt ist (nein, nur die Ultrabay hat ein abgebrochenes Plastikteil innen, puh) und schlafe nach einer Frage an Kumi, wie das mit Umtauschen von Waren in Japan ist, ein – in dieser Nacht hätte die Decke ruhig dicker sein können.
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