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Autor Thema: Ebbe und Flut  (Gelesen 2089 mal)
Rhoderan
Fahrbimbo
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« am: 12. Juli 2008, 01:45:41 »

Schon immer war dies ein Tag des Herrn, an dem nur die wichtigsten Arbeiten verrichtet wurden und die Menschen sich Zeit nahmen für das eigene Selbst, für die Mitmenschen, und den Ewigen samt seiner Töchter.
Doch dieser Tag stand unter einem anderen Zeichen, dem der Angst!
Eine Angst die über Tharemis lag, eine Angst vor Erlebtem und der Zukunft vieler unschuldiger Seelen.

Nachdem ersten Morgengebet waren viele Gläubige noch für eine Weile im Tempel geblieben um Lichter in der Dunkelheit zu entzünden und ihre Götter um Unterstützung zu bitten.
Zum frühen Vormittag wurden die wenigen Gläubigen, die noch nicht gegangen waren aus dem Tempel gebeten.
Es war Zeit für die wöchentliche Synode. Der Rat den die Priester hielten um den großen Weg gemeinsam zu Ebnen.
Meist waren nur einige ältere Priester, deren Schüler und ein bis zwei der Hohen dort um sich zu besprechen. Die eigentlichen Entscheidungen waren meist zuvor in unzähligen kleineren Gesprächen getroffen wurden.
Doch an diesem Tag war es anders.
Krieg! Dieses Wort brannte sich wie eine Flammenfront in die Ohren und in die Herzen der Menschen.
Und so waren aus dem ganzen Land Priester oder deren Vertreter angereist, die Hohen waren geschlossen ins Kirchenschiff eingezogen, und vereinzelt war das Zeichen der Mesiter zu erkennen.
Viel stand an diesem Morgen auf dem Spiel und niemand konnte sagen in welche Richtung dieser Tag führen würde.
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« Antworten #1 am: 12. Juli 2008, 12:08:40 »

Lange war er vor der kleinen Holztüre stehen geblieben. Noch einmal ging er die Worte durch die er mit Ayla gewechselt hatte.
Noch ein letztes Mal mahnte er sich zum Nachdenken.
Dann zeriss sein Herz die Tür, und mit dem Gespür eines Jägers durchzog er die schmalen feuchten Gänge.
Vor der feinen Täfelung blieb er noch einmal stehen. Nur einen Blick wollte er wagen bevor er aus dem Schatten treten würde um vielleicht seine letzte Schlacht zu schlagen.
Sein Blick ging durch den dünnen Schlitz zwischen den Brettern. Was er sah raubte ihm den Atem und sein Herz begann vor Angst zu explodieren.
Noch nie hatte er so viele Priester bei einer Synode gesehen.
Langsam sank er in die Knie, Tränen rannen von seiner Wange.
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« Antworten #2 am: 16. Juli 2008, 03:33:16 »

Mit langsamen Schritten ging Kaja das Mittelschiff des großen Tempels entlang.
Kein Wind, kein noch so kleiner Lufthauch ging durch die Kirche und doch wehte der Mesiterwimpel an der langen grauen Robe.
Viele Gesichter begegneten Kaja ohne große Reaktion zu zeigen, doch vereinzelt sprangen Frauen und Männer auf und wiesen mit ihren Finger auf den jungen Man. Hier und da zogen sich Einzelne tiefer in die Reihen zurück um den Ausdruck ihrer Minen zu verbergen, ihre Grinsen zu verstecken.
Immer mehr Gespräche schwirrten durch die Reihen bis die Lautstärke soweit angestiegen war dass selbst die Hohen ihre Aufmerksamkeit auf das Mittelschiff richteten.
Gerade als Kaja den Kreuzgang erreicht hatte und zu einer tiefen Verbeugung ansetzte übertönte ein einzelnes kleines Wort das Sprachengewirr: „Verräter!“
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« Antworten #3 am: 16. Juli 2008, 03:34:37 »

Die Luft zerriss und eine Woge brach über das stille Innere des Tempels.
Schreie durchdrangen die Reihen, Diskussionen und wirre Blicke wechselten in Augenblicken.
Selbst die hohen Sieben stiegen in eine erregte Auseinandersetzung miteinander ein.
Es war der alte Theobald, ein Wanderpriester aus dem Norden den viele wegen seiner weltlich besonnen Art schätzten, der die Ruhe in die heilige Halle zurück trug.
Schützend legte er seine Hand auf Kajas Schulter, als dieser sich von den wenigen Schlägen die er abbekommen hatte, auf seine Knie aufgerichtete.

Langsam lies Theobald seinen Blick über die Anwesenden gleiten: „Noch niemals hat dieser Rat jemandem seine Stimme verweigert. Und auch an diesem schweren Tag, zu dieser Stunde mag jeder der sich in unseren Reihen befindet nach vorne treten und kundtun was er zu sagen gedenkt.“

Nach einigen weiteren Ordnungsmaßnahmen durch eine seiner Eminenzen wurde Kaja an das kleine Pult geführt das jedem der etwas zu sagen hatte zur Verfügung stand.
Sein Herz schlug wie wild, hunderte Male war er auf dem Weg vom Goldkrug hierher jedes einzelne Wort durchgegangen. Unzählige Male hatte er mit Ayla besprochen was zu tun sei. Doch jetzt, als er in die Augen jener blickte die ein Großteil seines Lebens waren, wusste er kein einziges Wort mehr. Selbst der Grund für seine Anwesenheit schien ihm zu entgleiten.
Die Stimmen wurden wieder lauter und ein fragender Blick durchbohrte Kaja.
Es war eine leise Frauenstimme die tief aus seinem Herzen sprach und ihn zurück in den Tempel führte.
Zwei- dreimal musste Kaja sich räuspern ehe er neue Worte finden konnte: „Wenn ich in Eure Augen sehe, dann sehe ich viel Leid, Angst und Schmerz. Genauso sehe ich aber auch Hass und Zorn. Und wenn ich in mein Herz blicke, dann erkenne ich meine Schwestern und Brüder dass dieser Hass, der Zorn in Euren Herzen vereinzelt gegen die Unseren gerichtet sind.
Wir alle, vielleicht grundverschieden, sind in einem verbunden. Uns alle verbindet der gleiche Glaube, die gleichen Schwüre. Dinge die uns zu dem machen was wir sind, zu Brüdern und Schwestern.
Wenn wir tief in unsere Seele schauen, so erkennen wir das alle Gleiche unter Gleichen sind.“
Und kurz ließ Kaja seinen Blick über die Reihen der Aller streifen.
„Unter Brüdern, unter Schwestern, unter GLEICHEN! gibt es keinen Verrat. Niemand der nicht im Bund mit den Dämonen steht hat je den Namen des Ewigen verraten.
Ich bin enttäuscht und die Trauer liegt schwer auf meinem Herzen dass Eure Zweifel an mir so groß sind.
NIEMALS HABE ICH DEN WEG MESITS VERRATEN! Ihr nanntet mich einen Narr und jetzt könnt ihr meine Wege nicht einmal mehr verstehen. Wer blendet Euch, dass ihr die Wahrheit im Schatten nicht mehr sehen wollt.
ICH bin nur ein Krieger auf dem Schlachtfeld des Ewigen, und wir alle müssen jetzt in das Tiefe unserer Seelen hinabsteigen um zu erkennen das wir nur als freie Menschen gemeinsam in die Schlacht ziehen können um die Seelen unserer Kinder, deren Schutz wir innehaben, im Namen des Ewigen zu verteidigen.
Es ist nicht der Tag oder die Stunde um zu zweifeln, nicht der Augenblick um nach Macht zu greifen, denn der Ewige blickt in jedem Moment auf uns und sieht unsere Taten.
Niemand kann sich den Prüfungen des Lebens entziehen ohne seine Spuren zu hinterlassen.
Ihr Schwestern und Brüder, ihr habt Euch für diesem Weg entschieden. Ihr müsst handeln, denn sonst werden wir alle zu dem was niemand hier sein darf, zu Verrätern an unserem freien Volk.“
Ein tiefer Atemzug brachte Kaja kurz zur Ruhe.
„Mein Herz sagt mir das Therion noch nicht hinter dem Schleier wandert. Doch ist er nicht unter uns, er wird uns nicht in die Schlacht führen. Er wird kein Banner im silbernen Mondlicht tragen und die flammenden Scharen Pyrdracors zerschmettern.
Wir alle sind nun Therion, wir alle beschreiten nun den einen Weg. Wir werden Schwert und Schild sein und jeder der diese Einigkeit bricht soll sein Gewissen am Ewigen messen.“

„Tragt das Banner Grunathas in die Straßen und lasst den Ruf der Freiheit über das Land ziehen! LAUDATE HYDRACOR!“

Kalter Schweiß ran Kaja vom Körper, schwer ging seinen Atem und langsam ließ er sich auf einer Stufe nieder. Sein Kampf war nun beendet.
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« Antworten #4 am: 16. Juli 2008, 18:07:24 »

Die Menge war verstummt. Einige blickten verängstigt. Andere Minen waren hart und blickten zornig auf den jungen Mann, der ihnen dort grade gepredigt hatte. Ein Mann lächelte.
Pater Nikodemus zögerte einen kurzen Augenblick bevor er vortrat. Der Moment war einfach zu köstlich. Besser hätte er die Bühne selber kaum bereiten können.
Er ordnete seine Gedanken und erhob seine Stimme, Sekunden bevor die Menge unruhig wurde.

„Ihr sprecht mit grossem Eifer, junger Mesiter. Und ich höre aus euren Worten große Liebe zu unser aller Vater, Therion. Euch wie uns hat sein Verschwinden schwer getroffen. Und sicher geht es euch wie uns allen, und ihr fühlt tiefen Schmerz bei dem Gedanken, dass er, der immer wie ein Vater für uns alle war, in die ewigen Fluten eingegangen sein könnte.
Aber es ist nicht die Liebe in euren Worten die mir Sorge bereitet.
Ihr sprecht vom Krieg und von euch als Krieger. Ich frage mich welche Krieg ihr damit genau meint.“ Im Saal wurde es unruhig.
„Wie ihr vielleicht wisst obliegt mir die traurige Pflicht den mysteriösen Tod unserer Brüder und Schwestern aufzuklären, welche in den letzten Wochen von uns gerissen wurden.“
Der unerwartete Themenwechsel elektrisierte die Stimmung im Saal.
„Die Art und Weise wie die Opfer getötet wurden deuteten auf das Schlimmste hin. Der Mörder schlug stets aus dem Schatten heraus zu und bediente sich der List und der Dunkelheit. Und er nutzte Gifte aus dem Buch der Schlange.
Ein Mesiter, liebe Brüder und Schwestern. Ein Krieger des Ewigen, der dem Weg Hydracors abschwor.
Der in seinem Größenwahn glaubt als einziger Mensch den Willen der Schwestern und ihre Wahrheit erkannt zu haben und nun als selbst ernannter Zorn Furathas jene zu strafen denkt, welche nicht seine Wahrheit anerkennen wollen.“

Die Menge brodelte. „Sakrileg!“ „feiger Mörder!“ „Verräter!“
Einige Minen waren besorgt, doch es waren nur wenige.
An den Seitenwänden des Hauptschiffes öffneten sich einige verborgene Türen und mehrere in grau gekleidete Gestalten betraten den Raum.
Nikodemus hob den Arm um weiter zu sprechen und es wurde leiser.
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« Antworten #5 am: 17. Juli 2008, 01:18:09 »

„Es ist meine traurige Pflicht dieser Synode eine schreckliche Nachricht zu überbringen. Der ehrenwerte Vater Marius aus dem Orden Anathas ist tot.“

Nikodemus blickte sich im gesamten Saal um. Entsetzen, Zorn und völlige Verblüffung rings um ihn herum.

„Doch dieses mal hat sich der Mörder zu weit aus den Schatten herausgewagt. Vater Marius wurde am hellichten Tag in Anwesenheit mehrerer Zeugen umgebracht. Der vermessene Mörder hielt es nicht einmal mehr nötig seine Taten heimlich und unerkannt zu begehen.
Ihr, Kaja Schattenlauf habt den Pfad der Ewigen verlassen und euch in eurer Verblendung zum alleinigen Richter und Henker ausgerufen.
Ich klage euch hiermit des Mordes an.
Des Mordes an Vater Merzian.
Des Mordes an Vater Derek
Des Mordes an Schwester Isadora
Des Mordes an Mutter Salia
Des Mordes an Vater Secoran
Des Mordes an Mutter Fara
Des Mordes an Vater Karon
Des Mordes an Bruder Kaylan
Des Mordes an Vater Marius.“

Mit jedem Namen den der Priester spricht verstummt die Synode und alle Blicke sind wie gebannt auf Kaja gerichtet, der wie vom Donner gerührt inmitten der Priester steht.
Vier Mesiter treten vor und kommen langsam näher während Nikodemus wieder zu sprechen beginnt.

„Es gibt verlässliche Zeugen, welche sahen wie ihr kurz vor der grausamen Tat mit Vater Marius in Streit geraten seit. Und ein jeder hier der euch kennt kennt auch die unberechenbare Wut und den blinden Wahn dem ihr verfallen seid.
Ihr, der ihr uns von Einigkeit und dem gemeinsamen Feind predigt. Ihr der ihr den Namen Therions beschmutzt indem ihr ihn aussprecht; Ihr, der von seinen engsten Vertrauten als Verräter und als nicht Vertrauenswürdig erachtet werdet.
 
Zu eurer Erklärung oder Entschuldigung sei noch erinnert, dass ihr einen eurer Brüder an den schwarzen Prinzen Grenzbrücks verloren habt, und nur die Ewigen wissen, welchen Schaden eure Seele damals genommen habt als sein Selbst fortgespült worden um dem Seuchenherrn Grenzbrücks zu dienen.

Welche Umstände und welcher Wahnsinn euch auch immer getrieben haben.
Hier endet euer Weg!
Ich werde nicht zulassen, dass die Klinge eines einzelnen über das Schicksal Condras und den Weg der Kinder Hydracors bestimmt.“
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Ich bin zu alt um jung zu sterben.
Mätti
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« Antworten #6 am: 27. Juli 2008, 09:52:23 »

Kniend und weit nach vorne gebeugt hängt Kaja auf dem steinernden Boden.
Sein Geischt ist schmerzverzerrt und dicke Tränen laufen ihm von seinen Wangen.
Nur schwer und mit leiser, gebrochener Stimme erwidert er:
"Eure Lügen und die Gier die EUCH inne wohnt kann niemanden schützen, vor Allem nicht wenn der Tag gekommen ist an dem Eure Seele durch den Ewigen gemessen wird.
In diesem Land wird es zuviele Felsen geben an denen ihr zerbrechen werdet. Das Volk Condras wird keinen Tyrannen oder Mörder dulden.
Eure Richter wird das Wort sein, welches ihr nach Eurem belieben beugt, UNSERE FREIHEIT."
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“Regardless of what I think about Islam or Wicca or any other religion, the fact is that it's a group of people. Every faith has its ceremonies. And since it's made up of people, every faith also has its assholes.”
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